The Grape Odyssey: eine Reise von Genf nach Visperterminen

Ein Name, viele Gesichter: Als Savagnin, Païen oder Heida erzählt diese aussergewöhnliche Rebsorte die Geschichte der Schweizer Weinlandschaften. Die Reise von Genf bis ins Wallis führt durch spektakuläre Rebberge, charmante Weindörfer und zu Winzerinnen und Winzern, die dem Schweizer Wein seine unverwechselbare Vielfalt verleihen.
Wednesday, 20. May 2026Weintourismus

Von Marc Checkley

Genf: Der Beginn der Reise

Die Reise beginnt in Genf, wo die Ausdehnung der Stadt bald Weinbergen und Dörfern weicht. Satigny ist das natürliche erste Kapitel, mit Verkostungen nach Vereinbarung bei Jean-Michel Novelle, dessen Sortiment neben seinem Iconique Gamay und Pinot Noir mehrere Ausprägungen des Savagnin umfasst.

Ein weiterer lohnender Halt ist die Domaine des Bonnettes in Lully, geführt von Francesca und Dominique Maigre. Wenn Sie sich lieber von jemand anderem führen lassen möchten, bietet die Genfer e-TukTuk-Tour von TaxiBike einen spielerischen ersten Eindruck der Landschaft.

La Côte: Sanfte Hügel und lokale Entdeckungen

Fahren Sie entlang des Genfer Seebogens nach Osten in die Hügel von La Côte. In der Nähe von Nyon bietet der Malak’off Gourmet-Spaziergang eine selbstgeführte Wanderung; und die Domaine La Capitaine bietet Verkostungen aus ihren charakteristischen blauen Flaschen an. In Luins kombiniert Cave Treyblanc seine Weine mit kleinen lokalen Häppchen.

Wenn die Zeit knapp ist, machen Sie sich auf den Weg zur Maison des Vins de La Côte in Mont-sur-Rolle, wo mehr als 80 lokale Winzerinnen und Winzer vertreten sind. Hier steht ein Savagnin Blanc von Les Frères Dutruy neben einem Servagnin von Les Trois Terres – eine Erinnerung daran, dass ähnliche Namen durchaus unterschiedliche Geschichten bedeuten können. Servagnin ist kein Savagnin, sondern eine alte Pinot-Noir-Selektion, die seit mehr als 600 Jahren mit Morges verbunden ist.

Féchy und Lavaux: Historische Weinberge über dem See

Für eine aufschlussreiche Pause sollten Sie in Féchy bei der Domaine La Colombe Halt machen (Reservierung empfohlen). Laura Paccots Amédée Savagnin Blanc passt wunderbar zu dieser Route, während der Curzilles, eine Cuvée aus verschiedenen Rebsorten, von einer alten Zeit im Weinbau erzählt: dem Weinbergensemble. Mittagessen in der Nähe in der Auberge de Féchy, wo man bei der Weinkarte leicht die Zeit vergisst.

Östlich von Lausanne liegen die majestätischen Terrassen des Lavaux. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Region thront über dem Genfer See und bietet zahlreiche Wege zum Wandern. Radtouren können bei Bikapa organisiert werden, oder geführte Wanderungen mit Walk & Wine sind möglich, wobei die Steigungen nicht zu unterschätzen sind.

Wenn Ihre Gesässmuskeln es aushalten, bietet hoch über Epesses die Domaine Gaillard & Fils (sonntags geschlossen) Verkostungen und einen Savagnin d’Epesses an, der hell, rassig und mineralisch ist – ein Kontrapunkt zu ihrem lebhaften Galotta. Übernachten Sie in Cully im Hotel Lavaux oder in der Auberge de la Gare in Grandvaux.

Chablais: Eine Weinregion im Grenzgebiet

Hinter Montreux und dem Château de Chillon liegt das Chablais, eine echte Grenzregion. In Yvorne zeugen die Hänge noch immer von dem grossen Erdrutsch von 1584, der das Gelände neu formte und alte, kiesige Böden freilegte. Im Château Maison Blanche zeigen Grand-Cru-Chasselas, Pinot Noir und Savagnin Blanc das Mosaik der Gletscherböden dieser Gegend. Kontaktieren Sie Martin Suardet, um den Weinkeller zu besuchen.

Wallis: Wo Savagnin zu Païen wird

Überquert man die Rhône, beginnt sich die Weinsprache zu wandeln. Das Wallis ist die grösste Weinbauregion der Schweiz und zugleich die trockenste; hier wird aus Chasselas Fendant und aus Savagnin Païen. Der Name wird gemeinhin mit den „Heiden“ in Verbindung gebracht – den alten vorchristlichen Stämmen, die einst hier lebten. Es ist ein vielsagender Name für eine Rebsorte, die sich durch Zeit und Raum geschlängelt hat.

Probieren Sie in Martigny den Païen und andere unvergessliche Weine von Christophe Abbet, der den Spitznamen „der Zauberer von Martigny“ trägt. Für ein lokales Essen reservieren Sie im Restaurant Les Touristes. Von hier aus geht es weiter nach Fully, wo Sie auf der Terrasse der Fol'terres Bar einen Drink geniessen oder einen Spaziergang durch das Petite-Arvine-Gebiet unternehmen können, der Heimat der biodynamischen Pionierin Marie-Thérèse Chappaz (Reservierung unbedingt erforderlich) oder der nahegelegenen Cave des Amandiers.

Erklimmen Sie die Stadtmauern des mittelalterlichen Dorfes Saillon und geniessen Sie den Blick auf das Rhonetal von oben. Zu den Vignes de Farinet gehört der kleinste registrierte Weinberg der Welt mit nur 1,67 Quadratmetern. Er steht derzeit unter der Obhut des Dalai Lama und ist ein symbolträchtiges und einzigartiges Wahrzeichen des Wallis. Die Bains de Saillon sind ein hervorragender Zwischenstopp, um ein Bad zu nehmen, neue Energie zu tanken oder zu übernachten.

Sion und Sierre: Wein, Kultur und Alpenpanorama

Weiter östlich bietet St-Pierre-de-Clages ein weiteres lohnendes Weinkapitel. Die Gegend – seit langem mit der Johannisberg-Traube (Sylvaner) verbunden – beherbergt die Cave Ardévaz der Familie Boven sowie Daniel Magliocco & Fils, deren Païen, Hermitage und Syrah vor Ort sehr beliebt sind. Wenn Sie mit dem Fahrrad unterwegs sind, machen Sie einen Abstecher auf den ruhigen Rhône-Radweg in Richtung Sion. Hier können Sie die alten Schlösser von Sion besichtigen (Führungen gegen Spende), bei Celliers de Sion vielfältige Weinerlebnisse geniessen oder in St-Léonard über Europas grössten unterirdischen See gleiten.

Hinter Sierre geht der Païen in Heida über, und das Französische weicht dem lokalen Dialekt Walliserdeutsch. Château de Villa ist ein absolutes Muss: Önothek, Sensorama, Restaurant und Walliser-Crashkurs in einem, mit Hunderten von regionalen Flaschen und einem typischen Raclette-Festmahl. In der Nähe, in Miège, verleiht Sandrine Caloz den Reben ihre ganz eigene Note – mit biologisch vielfältigen Weinbergen, grasenden Schafen und Weinen, die sich ausgesprochen persönlich anfühlen. Ihr Mouton Caloz, gekeltert aus Gamaret-, Cabernet Franc-, Syrah- und Pinot Noir-Trauben, ist ein lokaler Favorit. Übernachten Sie in Salgesch inmitten der Weinberge bei Domaines Chevaliers oder wählen Sie die Zimmer im Weinkeller-Stil im Hotel Arkanum.

Visperterminen: Der letzte Aufstieg

Der letzte Aufstieg ist die ultimative Belohnung. Oberhalb von Visp erstrecken sich die Weinberge von Visperterminen von rund 650 bis 1150 Metern Höhe und gehören damit zu den höchstgelegenen Europas. Hier ist Heida nicht mehr nur ein Synonym, sondern ein lokales Wahrzeichen.

Die Visperterminen-Weinbergwanderung, die von Mai bis Oktober stattfindet (online buchen), folgt der historischen Beitra-Bisse, einem 600 Jahre alten Bewässerungskanal, mit Blick auf das Bietschhorn und das Matterhorn. Machen Sie eine Pause für ein Mittagessen und eine geführte Verkostung in der mehrfach ausgezeichneten St. Jodern Kellerei, bevor Sie wieder hinunter nach Visp wandern.

Eine Schweizer Weinodyssee

Ob mit dem Zug, dem Velo, dem Auto, dem Bus oder zu Fuss – diese Weinodyssee ist Ihre Zeit wert. Vom See bis ins Alpental, von Französisch bis Deutsch, von sanften Hängen bis zu alten Steinterrassen bietet sie Anblicke, Düfte – und Verkostungen –, die das Schweizer Weinerlebnis auf den Punkt bringen. Ob Savagnin, Païen oder Heida – die Namen sind unterschiedlich, doch im Glas verbinden sie Natur und Geschichten.

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