Ab in die Flaschen!

Nach der Hektik des Herbstes und der Stille des Winters ist der März für viele Schweizer Weine ein besonderer Moment: die Abfüllung in Flaschen. Eine wichtige Etappe, die mit Warten, Präzision und einer Prise Emotion verbunden ist.
Tuesday, 10. Mar 2026Weinwissen

Es gibt eine Zeit im Jahr, in der die Weingüter den Atem anzuhalten scheinen. Die Trauben wurden Monate zuvor geerntet, der Most ist vergoren, die Weine haben den Winter über gekühlt gelagert. Dann kommt der März. Und mit ihm der Moment der Abfüllung.

Die Abfüllung ist nicht nur ein technischer Vorgang. Sie ist eine Art «zweite Geburt» des Weins: Aus der in Tanks oder Fässern gelagerten Flüssigkeit wird endlich ein Produkt, das bereit ist, auf Reisen zu gehen, sich zu erzählen und entdeckt zu werden. In der Schweiz betrifft diese Etappe vor allem zahlreiche Weiss- und Roséweine, aber auch einige leichtere und sofort trinkbare Rotweine.

Denken wir beispielsweise an einen Chasselas aus dem Waadtland: Nach Monaten ruhiger Reifung wird er im Frühjahr abgefüllt, um seine Frische und Leichtigkeit zu bewahren, die ihn so angenehm für den täglichen Genuss machen. Das Gleiche gilt für einen jungen Petite Arvine aus dem Wallis, der in der Flasche seine Zitrusaromen und eine lebhafte salzige Note bewahrt, oder für einen Johanniter aus der Deutschschweiz, eine widerstandsfähige und nachhaltige Rebsorte, die wegen ihres klaren und modernen Ausdrucks immer mehr geschätzt wird.

Im Tessin folgen einige Merlot-Weine, die als Rosé oder in einem frischeren Stil vinifiziert werden, dem gleichen Zeitplan: Herbstlese, Winterruhe und Abfüllung im Frühjahr, bereit für die Degustation, sobald die schönen Tage kommen. In Neuenburg hingegen fällt das Ende des Winters mit der Zeit des Non Filtré zusammen: ein sehr früh abgefüllter Chasselas, der bewusst trüb ist und den neuen Jahrgang mit Spontaneität, Frische und einem unnachahmlichen Charakter feiert.

Hinter diesem Ritual verbirgt sich eine immense Präzisionsarbeit, aber auch viel Fingerspitzengefühl. Jeder Produzent wählt den richtigen Zeitpunkt, probiert, wartet oder beschleunigt, immer unter Berücksichtigung des Charakters des Weins. Ein subtiles Gleichgewicht, das auf Erfahrung und Intuition beruht.

Wenn also im Frühjahr die neuen Jahrgänge in den Regalen erscheinen, entdecken wir in Wirklichkeit Weine, die still und leise die Jahreszeiten durchlaufen haben. Weine, die auf den richtigen Moment gewartet haben, um genossen zu werden. Und die nun bereit sind, Flasche für Flasche ein starkes schweizerisches Narrativ zu vermitteln.

Schweiz. Natürlich.